Die „Eberhaut“ der Merowinger

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Überträgt man diese Forschungsergebnisse auf den anderen, den niederrheinischen Teil der einstigen Sigambrer, dann lässt sich vorstellen, dass auch dort zu Beginn des 5. Jhs. das Geheimwissen und die Heiligkeit bei einigen Familien noch bewahrt wurde, ungeachtet einer vermutlichen gewissen Romanisierung auch dieser Germanen. Die römischen Schriftsteller haben dem Stamm der Cugerner keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt, so dass uns nicht Schriftliches über sie überliefert ist; Cugerner war ja der spätantike Name der Nachkommen der niederrheinischen Sigambrer.

Ist eine Einheirat eines Häuptlings der sarmatischen Sicambrier in die Familie des heiligen Fürsten der Sigambrer während ihrer zeitweiligen Nachbarschaft in der Nähe der Ruinen der alten Stadt Colonia Ulpia Traiana am Niederrhein nicht leicht vorstellbar ? Vielleicht hieß dieser Häuptling Chlogio. Dessen Sohn erbte dann ganz automatisch die Heiligkeit, die der Familie seiner Mutter seit vielen Jahrhunderten innewohnte – und zugleich das heilige Zeichen des Gottes Frô, die „Eberhaut“ auf dem Rücken.

Und hier wird es wieder historisch. Der byzantinische Schriftsteller Theophanes berichtete, allen Merowingerkönigen wüchsen Borsten, wie Schweinen, auf dem Rückgrat (1). Woher hatten sie diese Erbanlage erworben ?

[1] zitiert von Jacob Grimm, Deutsche Mythologie, I. Bd., Berlin 1875/78 , S. 324 (Faksimileausgabe Graz 1986), siehe auch N. Lönnendonker (Anm. 90), S. 284 ff.

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